Sensorgrösse und Pixeldichte

Über Auflösung und Pixel wird bekanntlich viel gerätselt und werbetechnisch gesehen aufs Glatteis geführt. Tatsache ist eben, dass Pixel keine fixe und wissenschaftlich halbwegs nachvollziehbare Einheit sind. Mit anderen Worten: die Angaben der Anzahl Pixel nützen praktisch gesehen erst mal gar nichts.


Warum denn das? Massgebend für die Bildqualität ist in erster Linie der wertvollste Teil unserer Kamera, der Sensor. Mit diesem hochwertigen Instrument ist die Fläche gemeint, auf welche das Objektiv das Bild, das aufgenommen werden soll projiziert. Also so ähnlich wie im Kino, man kann sich den Sensor ein wenig wie eine Kinoleinwand vorstellen. Während sich die Hersteller seit Jahren um jeden Pixel prügeln - und offenbar ganz gut damit fahren - wird die Wichtigkeit der Sensorgrösse tunlichst verschwiegen. Es ist ganz einfach: Je grösser der Sensor desto besser, und das gilt ebenso für die Pixel selbst. Der Sensor ist übrigens an der exakt gleichen Stelle zu finden, wo sich früher der Rollfilm befand. Genau wie dieser hat er die Aufgabe, das Licht der erstellten Fotografie abzubilden.


Stellen wir uns einmal einen Sensor in der Grösse einer Briefmarke vor. Er besitzt beipielsweise 18 Millionen Pixel. Diese sind wie eine Art Bienenwaben oder ein Schwarm Mignons auf dieser Fläche verteilt. Daneben ein Sensor eines Mobiltelefons. Dieser Sensor besitzt ebenfalls 18 Millionen Pixel, er ist jedoch viermal, sechsmal oder sogar achtmal kleiner! Genauso wie beim grösseren Modell stehen die Mignons (Verzeihung: Pixel) aneinandergereiht auf dieser Fläche. Wie man sich jetzt unschwer vorstellen kann, sind diese einzelnen Pixel ebenfalls sehr viel kleiner. Das Schöne daran: bereits ein sehr kleines Objektiv reicht aus, diese kleine Sensorfläche abzudecken, sprich ein Bild zu erzeugen. Ist ja auch wichtig, denn das Mobiltelefon soll ja möglichst flach sein.


Hier sehen wir den ersten Punkt in diesem Wirrwarr. Der grosse Sensor, der in einer herkömmlichen Digitalspiegelreflexkamera eingesetzt wird und der kleine, der für ein Handy gedacht ist: beide besitzen 18 Millionen Pixel. Der Unterschied ist aber ähnlich wie die Fahrt auf einem Skateboard oder in einer Limousine. Beide fahren eine gewisse Strecke, das haben sie gemeinsam. Der Rest jedoch...


Die grösseren Pixel auf dem grösseren Sensor können eine höhere Menge an Lichtumfang speichern. Grössere und hochwertigere Objektive verstärken ausserdem das Ergebnis genauso wie die Konstruktionsqualität des grossen Sensors. Über diesem liegt eine Art feine Glasscheibe. Diese ist wie ein Mosaik übersät mit feinsten transparenten Farbtupfern. Die Farben Rot, Grün und Blau (RGB) sind nach einem speziellen Muster verteilt und tauchen die darunter liegenden Pixel jeweils in eine Farbe, da ein Pixel nur Hell-Dunkel, also schwarzweiss unterscheiden kann. Auf diese Weise erst entsteht ein farbiges Bild. Drei Pixel zusammen können jetzt jeden gewünschten Farbton wiedergeben.
Auch das Zusammenspiel dieser Glasscheibe mit den farbig zu beleuchtenden Pixeln zeigt uns: irgendwann ist - bei allem Respekt für die beeindruckende Miniaturisierung heutzutage - ein Punkt erreicht, bei dem man erkennt, dass die Luft draussen ist. Es ist schlicht unmöglich, mit winzigsten Bauteilen das gleiche erreichen zu können wie mit der grossen Variante. Auch im Bereich von Hundertstel-Millimetern wirken sich Abweichungen, die bautechnisch bedingt sind bei kleineren Konstruktionen um ein Vielfaches aus.


Die Präzision in dieser grösseren Bauweise hat ebenso Einfluss auf die Bildqualität. Spätestens bei der Nachbearbeitung erkennt man die riesigen Unterschiede. Feinste Farbverläufe und -abstufungen begeistern den Betrachter. Details wie Wimpern und Haare sind fein zu erkennen, was insbesondere bei Postergrösse mit einem "Wow" erkannt wird. Kontrast und starke Farben mit minimalem Rauschen sind besonders in der Werbung beliebt und wirksam. Wie wertvoll ein Sensor ist erkennt man auch daran, dass dieser als der weitaus teuerste Teil der gesamten Kamera gilt.


© Michael Rippas